02. Dezember 2015, einfach mal so:

Fast jeder eilt durch den Tag und die Gedanken finden kaum zu leisen Tönen – nein, manchmal (und viel zu oft) schreien sie uns förmlich an. Dann dieser Weihnachtsrausch…Rabatte werden einem um die Ohren gehauen – 50% Rabatt…habe ich neulich in einer Werbung gehört. Wohin soll das führen, frag ich mich da. Gewinnt jemand noch dabei? Gibt es uns vielleicht zum Nachdenken, dass dabei irgendjemand auf der Strecke bleiben muss, doch auch viele Verlierer bei diesem Geschäft gibt? Später heißt es dann, dass an Personal gespart werden muss und das Ende vom Lied: Stellenabbau trotz gleichbleibender Arbeitsintensität auf Kosten der noch Gebliebenen. Die Folgebeiträge der Betroffenen bleiben dann nicht aus. Die Frage, die ich mir da stelle, ist: Wie viel Freude hat man beim Schenken noch, wenn man durch eine wahnsinnige Rabattaktion – nehmen wir ruhig die 50 % - ein Schnäppchen gemacht hat und an anderer Stelle z. B. jemand um seinen Arbeitsplatz bangt. Oder wie sieht es mit denen aus, die diese vielen den Rabatt-Aktionen unterzogenen Produkte hergestellt haben? Was verdienen sie? Ich möchte mich hier gar nicht im Detail verlieren, wer bei diesen ganzen Aktionen die Verlierer sind – einzig zum Nachdenken anregen.

Ist es nicht an der Zeit, mal genauer hinzuschauen, was so vielen Menschen wirklich fehlt? Vielleicht Aufmerksamkeit durch Zuhören, eine tolle Unterhaltung ohne den permanenten Blick auf die Uhr…ach nein, sorry -auf das Handy ;-) …oder einfach nur ein Lächeln, eine Umarmung, die wenigstens für einen Moment Halt verspricht. Wie sieht es aus mit dem gemütlichen Beisammensein in der vorweihnachtlichen Zeit? Wer sitzt noch im Kreise seiner Lieben mit genügend Zeit im Gepäck, um einfach den Moment des Beisammensitzens zu genießen. Ich gebe im Alltag mein Bestes, mit optimistischem Blick nach vorne zu schauen. Doch was ist morgen? Haben wir morgen noch die Zeit für diese gemütlichen Stunden mit genau den Menschen, die uns lieb sind, denen wir viel zu wenig sagen, dass wir froh sind, dass wir sie haben?

Sehr viele sind schon zusammengerückt und haben viele Dinge auf den Weg gebracht und das zeigt, was in der Not möglich gemacht werden kann. So viele Menschen sind schon unterwegs, um Hilfestellung zu leisten oder Sachspenden an Bedürftige auszugeben. Das ist so genial, was da in kurzer Zeit umgesetzt wurde und Menschen sich gefunden haben, um die von hochgekrempelten Ärmeln freigesetzten Helfershände schaffen zu lassen. Wirklich berührend!!! Vielleicht haben diese 50 % Rabatt doch gar nicht die große Chance zu wirken?  

Und da wäre noch das geschriebene Wort…wie sieht es damit aus? Schnell einen weihnachtlichen Gruß über Whatsapp oder gleich mal alle in einem „Abwasch“ auf Facebook ne schöne Weihnachtszeit gewünscht. Besser als nichts, sicherlich. Doch ein Lächeln zu zaubern, in dem man vielleicht eine halbe Stunde seiner Zeit schenkt und ja, auch einen oder zwei Euro in die Hand nimmt, um eine persönliche Weihnachtskarte zu senden, diesen antiquierten gelben Kasten zu füllen, damit dann der Mensch mit dem gelben Label auf der Brust auch mal andere Energien versendet, als ständig nur die von Rechnungen oder Mahnungen.

Also mein Briefkasten ist hungrig und hat genügend freie Kapazitäten für handgeschriebene Post. Und mit diesen Gedanken möchte ich allen Lesern dieser Zeilen eine schöne Vorweihnachtszeit wünschen. Und wer mir seine Adresse noch vor Weihnachten zukommen lässt, der bekommt auch eine handgeschriebene Karte von mir. ;-)

Herzlichst, Ihre Gabriela Bardossek